Libyen
Leider besteht in Libyen bei Reisen ins Landesinnere immer noch ausnahmslose Führerpflicht. Ohne
die Einladung einer offiziellen Führeragentur bekommt man leider auch kein Visum. Einzige Ausnahme
ist das 7-Tage-Transitvisums, das man auch direkt an der Grenze bekommt, allerdings
ist dann nur die Fahrt entlang der Küstenstrasse ohne Führer möglich. Im ganzen Land sind auf allen
Straßen in relativ kurzen Abständen Polizeisperren, die einen Versuch, ohne Führer Richtung Süden
zu fahren, nach wenigen Kilometern scheitern lassen würden. Unser Guide Hussein hatte ein offizielles
Schreiben der Agentur mit, das bei jeder Kontrolle genauestens kontrolliert wurde. Die Anwesenheit
eines Einheimischen, der sich als Führer ausgibt, reicht also auch nicht aus.
Daher haben wir schon von Zuhause aus einen Führer gebucht, und sind gespannt, ob er zum vereinbarten
Zeitpunkt, am 12.November um 14.00 Uhr an der Grenze auch wirklich anzutreffen ist.
Und tatsächlich. Kaum haben wir die Ausreise auf tunesischer Seite hinter uns, kommt Hussein auch
schon angerannt, und begrüßt uns freudig, sichtlich genauso erleichtert uns zur vereinbarten Zeit
anzutreffen, wie umgekehrt.
Durch seinen Einsatz und Zutun werden wir bei der Einreise nicht vom Zoll kontrolliert. Wie
sich später herausstellt, will er damit vermeiden daß wir unsere Alkoholvorräte abgeben müssen, in der
Hoffnung, es würde auch für ihn was dabei sein.
Nachdem also die Formalitäten erledigt, und die libyschen Kennzeichen montiert sind, fahren
wir nach Zuara, wo wir im Haus von Hussein´s Bruder direkt am Strand 2 Tage mit
diversen Arbeiten und Vorbereitungen an den Fahrzeugen verbringen.
Von dort aus geht es dann erstmals zu den nahen römischen Ausgrabungen in Sabratha:
Von Sabratha aus brechen wir dann endlich auf in den Süden, auf den ich mich schon so freue.
Am Weg bleiben wir noch in Nalut stehen, wo es eine gut erhaltene und wirklich sehenswerte Altstadt mit
einer beeindruckenden Speicherburg gibt:
Die weitere Fahrt nach Ghadames ist ziemlich eintönig:
Am 16.November, wir sind mittlerweile kurz vor Ghadames, habe ich Geburtstag und bekomme in
der Früh doch tatsächlich von Steffi eine Geburtstagstorte mit Kerze geschenkt, die sie die Tage
zuvor erfolgreich vor mir versteckt hatte!!
In Ghadames selbst, das wir noch am selben Tag erreichen, gibts am Abend noch eine Geburtstagsparty
mit leckeren Kamel-, und Rindersteaks, die wir auf Joe´s selbstgebautem Griller, den er mir noch
vor unserer Abfahrt geschenkt hatte, zubereiten.
Joe: Vielen Dank nochmals! Es ist der beste Griller der Welt, und oft im Einsatz!
Hier treffen wir zwei deutsche Paare mit ihren Toyota´s, die gerade von ihrer ausgiebeigen
Tour, quer durch so ziemlich alle Erg´s Libyens zurückkommen. Von ihnen bekommen wir viele
hilfreiche Informationen, und alle ihre vorbildhaft aufgezeichneten Waypoints der Ergdurchquerungen.
Falls ihr das hier lesen solltet: Vielen Dank nochmals! Die Wp´s waren uns oft nützlich!
Von ihnen bekommen wir auch den Tip vom Fliegenaugensee gleich in der Nähe, und so brechen wir
am nächsten Tag auf, um diesen See zu besuchen.
Dort angekommen, können wir es kaum fassen, wie schön es hier ist. Wir fühlen uns ein bisschen
wie im Paradies, und verbringen den ganzen Tag mit Baden und Herumliegen:
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Der nächste Programmpunkt, und jener, auf den ich mich besonders freue, ist die Fahrt durchs
Erg Ubari von Derj nach Serdeles(Al Uweinat). Laut Auskunft soll es sich dabei um eine Strecke
von 700km handeln, die in 4 Tagen zu schaffen sei. In Wahrheit sollten es im Endeffekt für uns
900km werden, für die wir 8 Tage brauchen.
Bei der Abfahrtskontrolle in Derj stelle ich fest, daß wiedermal ein Federbolzen festsitzt, und um
ähnliche Probleme wie vor einigen Monaten in Mauretanien zu verhindern, baue ich ihn diesmal sofort aus um
ihn wieder gangbar zu machen:
Die ersten 200km legen wir auf einer gut und flott befahrbaren Piste am ersten Tag zurück, und
übernachten an einem schönen Plätzchen kurz vor Beginn der Sandetappe.
Gleich am Beginn des nächsten Tages wird es dann wirklich sandig, und Peter, der weder sich, noch
sein Fahrzeug vorher jemals im Sand getestet hatte, bekommt gleich zu Beginn seine erste Lektion
erteilt, denn an einer Schrägfahrt kippt er sogleich fast um.
Nachdem ich ihn mit dem Bergegurt sichere, schaufeln wir unter den hangseitigen Rädern einiges an Sand
weg, und so kann er, diesmal in Richtung Falllinie, den 1113er aus der mißlichen Lage befreien:
Je weiter wir ins Erg vordringen, umso beeindruckender und gewaltiger wird die Dünenlandschaft.
Genauso habe ich mir als Kind die Wüste immer vorgestellt: Über hundert Meter hohe, gewaltige Dünenzüge, die
an unsere Alpen erinnern, nur daß hier alles aus Sand besteht! Soetwas haben wir in Westafrika auch
nicht nur annähernd zu Gesicht bekommen!
Schon bald stellt sich heraus, daß Peters 1113er viel zu hecklastig und für diese Verhältnisse
trotz seines auf 140PS "aufgemotzten" Motors zu untermotorisiert ist. Oft gräbt er sich an den steilen
Anstiegen ein, und muß am Bergegurt oder mit Hilfe seiner Seilwinde hochgezogen werden:
Die gesamte Strecke wird zunehmends immer anspruchsvoller, und so müssen wir viele Male die
bevorstehenden Abschnitte zu Fuß erkunden, um sicher zu gehen, daß wir nicht in einer Sackgasse landen,
aus der wir nicht mehr retour kommen.
Die Abfahrten werden auch immer länger und steiler:
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Stets wurde ich belächelt, wenn ich Peter zuhause von den unvermeidbaren, extremen Belasungen an
Fahrgestell und Motor erzählt habe.
Und stets war die Antwort: "Jo, oba I foa jo net so oag!!"
Naja, irgendwas habe ich da falsch verstanden...........
Schlußendlich erreichen wir also nach 8 Tagen und fast 900km den kleinen Ort Serdeles, und
freuen uns alle, die Strecke ohne große Probleme gemeistert zu haben.
Von hier aus wollen wir weiter ins angrenzende Akakus-Gebirge, von dem uns immer wieder erzählt
wurde, es sei wohl der schönste Platz auf dieser Erde.
Voller Erwartungen machen wir uns auf den Weg nach Ghat, von wo aus man, wenn auch nur mit einem
extra Führer, ins Akakus gelangen kann.
Wir können es kaum glauben, als man uns dort erzählt, daß aus ungeklärten Gründen die Strecke durch
jenes Gebirge zur Zeit ausnahmslos Militärisch gesperrt und abgeriegelt, und eine Besichtigung
unter keinen Umständen möglich sei. Das gesamte Akakus-Gebirge liegt sehr nahe an der algerischen
Grenze. Ich nehme an, daß der Grund für die Sperre wohl in einem Problem im Grenzgebiet zu suchen ist.
Notgedrungen machen wir also wieder kehrt, um unser nächstes Ziel auf das ich mich sehr freue anzufahren,
nämlich die Mandaraseen.
Insgesamt handelt es sich dabei um ca. 12 unterschiedliche Seen, die alle umringt von Sandriesen, inmitten
der grandiosen Dünenlandschaft des Erg Ubari liegen.
Der Mandarasee selbst ist mittlerweile nahezu ausgetrocknet, daher fahren wir ihn garnicht an, und
besuchen stattdessen einige der Anderen, die weiter nordöstlich zu finden sind.
Für uns sicher der Beeindruckendste dabei ist der Gabraounsee. Dort gibt es neben vielen "Touaregs",
die ihren typischen Silberschmuck und vieles mehr verkaufen, auch ein Camp, an dem man sich, natürlich gegen
Bezahlung, Ski und Snowboards ausborgen kann, um an den riesigen Dünen direkt zum See abzufahren.
Den Spaß laß ich mir natürlich nicht entgehen!
Ich wußte schon vorher von der Möglichkeit, von den Seen aus Richtung Norden durch das Erg weiter
bis zur nächsten Asphaltstraße zu fahren, allerdings wurde uns davon überall abgeraten.
"Unmöglich mit den Lkws", "Viel zu steile Auf- und Abfahrten" hieß es immer.
Ähnliches liest sich in meinem Reiseführer. Da wird sogar eine Gruppe erwähnt, die für diese
Strecke mit Führer 8 Tage benötigt haben soll, obwohl es sich dabei nur um 100km Luftlinie handelt.
Am Gabraounsee komme ich dann zufällig ins Gespräch mit einem Guide, der dort aufgewachsen ist, und
das gesamte Gelände wie seine Westentasche kennt, und ich spreche ihn darauf an.
Die schwierigste Stelle sei ganz zu beginn, meint er, wenn wir diese Stelle, eine Querung zwischen zwei
sogenannten Gassis, schaffen würden, dann sei der Rest auch machbar. Er bietet sich an, uns den Durchstieg
zu zeigen, und so entschließen wir uns, es zu probieren.
Die einzige Schwierigkeit dabei liegt für uns in einer einzigen, garnicht allzu hohen, aber sehr
weichen, relativ steilen Hangdüne. Wir bezwingen sie dann auch erst dadurch, daß wir mit allen
unseren Sandblechen eine Straße hinauf legen:
Weiter geht es dann relativ problemlos. Die Auf- und Abfahrten sind zwar wirklich teilweise sehr
schwierig, aber machbar, und die Strecke absolut lohnend. Wir brauchen 2 Tage dafür:
Mittlerweile sind drei Wochen seit unserer Einreise vergangen, und so machen wir uns schleunigst
auf den Weg Richtung ägyptische Grenze.
Auf dem Weg machen wir eines Abends halt bei einer kleinen Hütte, und fragen, ob wir hier
übernachten dürften. "Überhaupt kein Problem, unser Zuhause ist euer Zuhause!", heißt es, und
da wir in der Nähe eines kleinen Ortes sind, und lange kein Fleisch mehr gegessen hatten, fragen wir,
ob man denn hier irgendwo eines kaufen könnte. "Überhaupt kein Problem!", heißt es wieder, unser
Guide Hussein wechselt ein paar arabische Worte mit dem Hausherrn, die Zwei verschwinden, wir hören
ein kurzes Ziegenmeckern, und kurze Zeit später kommt Hussein grinsend mit einem blutigen Messer
zurück.
So kommen wir auch noch in den Genuß libyscher Gastfreundschaft. Zu Ehren des Gastes wird sofort und ohne
Zögern eine Ziege geschlachtet!
Da wir der Meinung sind, daß eine ganze Ziege dann doch zuviel für uns alleine ist, wird die Familie,
Brot und Getränke geholt, und wir verbringen einen netten Grillabend mit unseren Gastgebern.
Am nächsten Tag geht es wieder nach Norden an die Küstenstrasse, der wir bis an die Grenze
folgen werden. Unterwegs machen wir halt in Benghasi, wo es eine ägyptische Botschaft gibt, um
unser Visum zu beantragen. Wir erhalten dieses dann auch innerhalb einer halben Stunde, und somit
heißt unser nächstes Ziel Ägypten. Am 8.Dezember erreichen wir die Grenze.
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